Lebermoose gehören zu einer eigenen Pflanzenabteilung innerhalb der Moose, neben den Horn- und Laubmoosen. Ihr auffälliger Aufbau ist bei den meisten Arten auf einen flachen, „thallösen“ Körper beschränkt. Das Fehlen eines Stamms, der aufrechtes Wachstum ermöglichen würde, und das Fehlen von Blättern deuten darauf hin, wie uralt diese Pflanzen sind. Tatsächlich sind die ältesten fossilen Funde von Lebermoosen über 400 Millionen Jahre alt. Sie waren die ersten Pflanzen, die das Land eroberten, und legten den Grundstein für das pflanzliche Leben, wie wir es heute kennen.
Auf dem Bild ist das Gewöhnliche Brunnenlebermoos (Marchantia polymorpha subsp. ruderalis) zu sehen, das inzwischen weltweit verbreitet ist und die häufigste Lebermoos-Art darstellt. Es bevorzugt dauerhaft feuchte Standorte und nährstoffreiche Böden, insbesondere solche mit hohem Nitratgehalt. Daher eignet sich das Brunnenlebermoos hervorragend als ökologischer Indikator für (Nitrat-)Überdüngung und ist häufig auf Maisfeldern zu finden. Solange der Standort nicht vollständig überflutet ist, zeigt das Brunnenlebermoos zudem eine bemerkenswerte Resistenz gegen Luftverschmutzung und Schwermetalle.
Auch in feuchten Bereichen des Gartens oder in Pflasterfugen ist es oft anzutreffen. Dort kann es kleinen Nützlingen wie Kellerasseln und Springschwänzen Unterschlupf bieten und den Boden vor Austrocknung schützen. Da Moose keine echten Wurzeln bilden, sondern nur einzellige Rhizoide, sind sie nicht auf guten Boden angewiesen. Sie können neue Lebensräume erobern und zählen daher zu den Pionierpflanzen.
Der Name „Lebermoos“ leitet sich von der früheren Vorstellung ab, dass die lappige Form der Pflanze einer Tierleber ähnelt, weshalb man sie fälschlicherweise als Heilmittel gegen Lebererkrankungen einsetzte. Tatsächlich enthält das Gewöhnliche Brunnenlebermoos jedoch eine Substanz mit stark fungizider Wirkung, die als Extrakt zur Behandlung von Pilzerkrankungen verwendet werden kann.
Als ursprüngliche Vertreter der Pflanzen vermehren sich Moose durch Sporen statt Samen. Beim Brunnenlebermoos wachsen die männlichen und weiblichen Teile getrennt auf der Pflanze. Zusätzlich zu dieser geschlechtlichen Fortpflanzungsmethode hat das Brunnenlebermoos jedoch eine weitere Verbreitungsstrategie entwickelt: Auf seiner Oberseite wachsen zahlreiche kleine Becher, die sogenannten Brutbecher. In diesen Bechern entstehen kleine Klone der Pflanze, die, sobald sie groß genug sind, durch Regentropfen herausgeschwemmt oder bei einem gezielten Tropfentreffer sogar herausgeschleudert werden können. Diese Form der Verbreitung über genetische Klone nennt man vegetative Vermehrung – und sie funktioniert beim Lebermoos erstaunlich effektiv.
In diesem Zeitlupen Video kann man erkennen wie die Brutbecher und die vegetative Vermehrung der Lebermoose funktionieren kann.
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